Verkaufen bei Sturmwarnung - Soll ich's wirklich machen oder lass ich's lieber sein?
22.10.2021 / aktualisiert am 02.02.2026
Es gibt Tage, da steht man morgens vor dem Wetterbericht und fragt sich nicht ob man rausfahren sollte, sondern wie sehr man es sich schönreden kann.
Windwarnung.
Sturmböen.
Gelbe, rote oder orangefarbene Symbole, die einem subtil sagen wollen: Überleg’s dir lieber noch mal.
Beim Autofahren ist das meist noch kein großes Thema. Beim Verkauf aus einem Foodtruck allerdings schon. Denn während Regen oder Kälte in erster Linie den Komfort betreffen, wird starker Wind schnell zu einer echten Sicherheitsfrage. Und die dreht sich fast immer um ein einziges Bauteil: die Verkaufsklappe.
Meine erste bewusste Sturm-Absage
Ich erinnere mich noch gut an den ersten Verkaufstag, den ich wegen einer offiziellen Sturmwarnung hab sausen lassen.
Damals war ich seit knapp einem Jahr im Mittagsgeschäft unterwegs. Wind, Regen, Kälte – alles kein Problem. Ich war rausgefahren, wenn andere lieber im Warmen geblieben sind. Aber an diesem Tag wurde erstmals explizit vor Sturmböen gewarnt.
Vorhergesagt waren Windgeschwindigkeiten um die 85 km/h (9 Beaufort). Laut Beschreibung konnten dabei bereits Schäden an Gebäuden entstehen und selbst stämmige Bäume deutlich ins Wanken geraten.
Ich begann zu recherchieren:
- Hält eine Verkaufsklappe sowas aus?
- Gibt es Erfahrungswerte?
- Was sagen Hersteller?
Kurzfassung: Es gab keine verlässlichen Antworten.
Also musste ich eine Entscheidung treffen – ohne Sicherheitsnetz.
Und irgendwann kam ich zu dem Punkt, an dem ich mir sagte: Eine beschädigte Verkaufsklappe oder – noch schlimmer – ein verletzter Mensch wiegen schwerer als ein paar hundert Euro Umsatz.
Also blieb der Truck stehen.
Im Nachhinein wirkte es draußen gar nicht so dramatisch. Ich war zu Fuß unterwegs und dachte kurz: Ach komm, das wäre schon gegangen.
Aber genau das ist der Punkt: Man weiß es vorher nicht.
Eine einzige Böe reicht.
Umsatz vs. Risiko – eine klare Rechnung
Seit diesem Tag habe ich keinen Verkaufstag mehr vorsorglich wegen Sturm abgesagt. Nicht, weil ich leichtsinniger geworden bin – sondern weil ich gelernt habe, situativ zu reagieren.
Meine Vorgehensweise war über Jahre ziemlich konstant:
- Bei Sturmwarnungen bin ich grundsätzlich rausgefahren
- Habe aufgebaut, gekocht und regulär geöffnet
- Habe aber permanent beobachtet:
Wie stark bewegt sich die Klappe?
Knarzt oder arbeitet die Konstruktion ungewöhnlich?
Fühlt sich das noch kontrollierbar an?
Wenn mir das Ganze zu heikel wurde, habe ich die Klappe wieder geschlossen und auf einen Notverkauf über das Fahrer- oder Beifahrerfenster umgestellt.
Das hatte mehrere Vorteile:
- Kein Sicherheitsrisiko
- Kunden konnten trotzdem versorgt werden
- Niemand konnte mir vorwerfen, einfach "nicht gekommen" zu sein
Und ganz ehrlich: Wenn der Wind wirklich unangenehm wird, kommen ohnehin kaum noch Leute. Die Umsätze, die bis dahin gemacht wurden, waren meist völlig in Ordnung.
Verkaufsklappe = Haftungsfalle
Ein Punkt, den man nicht unterschätzen darf: Haftung.
Wenn deine Verkaufsklappe nicht ausreichend gesichert ist und sich bei Sturm löst oder zuschlägt, haftest du. Und zwar nicht nur theoretisch.
Noch unschöner wird es, wenn du keine oder eine unzureichende Sturmsicherung angebracht hast. Dann kann es passieren, dass sich sogar deine Betriebshaftpflichtversicherung querstellt.
Das heißt:
- Verletzte Personen
- Sachschäden
- Diskussionen mit Versicherungen
- Ärger, den man für ein paar Euro Umsatz niemals haben will
Eine vernünftige Sturmsicherung ist kein "Nice to have", sondern Pflicht.
Wie viel Wind hält eine Verkaufsklappe aus?
Die ehrliche Antwort: Es kommt drauf an.
- Größe der Klappe
- Bauweise
- Alter
- Windrichtung
- Standort (geschützt oder frei)
Meine eigene Verkaufsklappe ist knapp 3,5 bis 4 Meter lang und damit eine ordentliche Angriffsfläche.
Windböen bis etwa 70 km/h hat sie über die Jahre ausgehalten – zumindest gefühlt und ohne Messgerät.
Aber: Wenn es mir nicht mehr geheuer war, habe ich zugemacht.
So einfach.
Bei dauerhaft angekündigten Stürmen ab 9 Beaufort (nicht nur einzelne Böen) würde ich heute wie damals sagen: Lass es!
Kleine Maßnahmen, große Wirkung
Ein paar Dinge haben mir geholfen, das Risiko zu minimieren:
- Sturmsicherung der Klappe (selbstverständlich)
- Wenn möglich: Truck mit der gegenüberliegenden Seite der Verkaufsklappe in den Wind drehen
- Standortkenntnis nutzen (Wind kommt nicht immer aus der gleichen Richtung)
Lieber einmal zu früh als zu spät reagieren
Wind verhält sich nicht wie eine Kompassnadel. Gebäude, Freiflächen, Häuserschluchten – all das sorgt für unberechenbare Verwirbelungen.
Fazit: Sturm ist keine Umsatzfrage
Die wichtigste Erkenntnis aus all den Jahren: Verkaufen bei Sturm ist keine betriebswirtschaftliche, sondern eine sicherheitsrelevante Entscheidung.
Ein beschädigter Truck, eine verletzte Person oder Ärger mit Versicherungen stehen in keinem Verhältnis zu dem, was man an einem Mittag umsetzt.
Mein persönlicher Grundsatz: Im Zweifel lieber einmal auf Nummer sicher gehen.
Der Foodtruck läuft dir nicht davon.
Deine Gesundheit – und die deiner Kunden – schon.
Sturm ist nur eines von vielen Risiken im Foodtruck-Alltag
Wenn du dein Business nicht dem Zufall überlassen willst, sondern dich systematisch auf Alltag, Ausnahmen und Krisen vorbereiten möchtest, dann schau dir die 👉 Food Truck Formel an – dort geht es genau um diese Entscheidungen: praxisnah, ehrlich und ohne Bullshit.
Ähnliche Artikel:
Hat schlechtes Wetter einen Einfluss auf den Umsatz?
Alles eine Frage der Haftung? – Rechtsformen für einen Food Truck
Gebrauchten Food Truck kaufen - was muss ich beachten?
Mehr Artikel gefällig? Schau dich gerne im Blog-Portal um.
